Erste Kleidung
Die Hominiden bewohnten tropische Gebiete und besaßen wohl eine mehr oder weniger dichte Körperbehaarung.
Erst als die Gattung Homo entstand, schwand das Haarkleid und die Nacktheit scheint einen Evolutionsvorteil dargestellt zu haben. Schließlich ist sie außerordentlich konsequent umgesetzt worden.
Homo neanderthalensis war vermutlich der erste, der sich etwas anziehen musste. Durch Leder und Tierhäute abgenutzte Zähne sowie gefundene Werkzeuge zum Abschaben von Säugetierfellen belegen die Verwendung und Herstellung von Kleidung. Der Neandertaler war auf die wärmende Wirkung von Kleidung in der eisigen Umwelt angewiesen.
Aber kam es nun zur Kleidung, weil Homo in die kalten Gebiete auswanderte oder waren Ansätze dazu schon früher da?
Klar, man weiß es nicht. Aber es ist doch interessant, dass selbst die Volksstämme, die weit überwiegend nackt leb(t)en, so etwas wie Schmuck, Verzierungen, Tatoos etc kennen und nicht selten anlässlich von Festen sich mit Kleidungstüclen schmück(t)en.
Denkbar ist, dass dieses Schmücken, dieses Herausstellen der eigenen Leistungsfähigkeit, wenn man einem großer oder gefährlichen Tier das Fell über die Ohren und sich um die Schulter gelegt hatte, dass also dieser "Schmuck" einen ersten Schritt in die Richtung auf Kleidung darstellte.
Eine Sache, die nach wie vor allzu bekannt ist. Was anderes ist die Mode, sind Kleidungsvorschriften, was bedeuten Uniformen? Warum schmücke ich mich, male mich an? DIESE Art der Bekleidung ist in aller erster Linie nach wie vor Schmuck. Immer noch sehen viele Menschen, wenn sie denn tatsächlich Kleidung als sehr notwendigen Wäremeschutz tragen, viel weniger "elegant" und "modisch" aus... (Auch wenn heute die "outdoor"-Welle mit Logos und anderen Accessoires versucht, diese Lücke zu schließen)
Kleidung drückt also auch soziale Stellung aus, Rangordnung, Stammeszugehörigkeit usw. Das war sicher auch schon in prähistorischen Zeiten so. Historisches Beispiel dafür sind die massenhaften Belege zur Bekleidung Meso- oder Neolithischer Kulturen in Nordamerika, der sogenannten Indianer.
Es gibt unterschiedliche Vorstellungen, wann Kleidung entstanden ist. Ich vermute, sie ist als Folge von Schmuck entstanden. Irgendwann merkte natürlich der stolze Jäger, dass das umgehängte Fell zwar die Beweglichkeit einschränkte, aber des Nachts auch einen Lagerplatz weiter entfernt vom Feuer erlaubte, dass Regen nicht mehr so schlimm schien etc.
Es mag noch Jahrhunderte gedauert haben, bis Kleidung notwendig wurde und man konsequent Felle nutzen, später gerben musste. Da diese jedoch kaum die ganze Sippschaft versorgen konnten und zudem recht schwer und bisweilen unpraktisch waren, versuchten die Menschen, vor allem die Frauen, auch Pflanzen, deren Fasern, zu nutzen, um Kleidungsstücke herzustellen. Auch die Nutzung der Pflanzenfasern mag eine Folge der Herstellung von Körben und Tragetaschen gewesen sein.