Nackt - was is das?Wieso denn nackt?Mensch werdenMensch seinMensch bekleidetDiverses

Nackt als Kultur

14. August 2004, 02:27, Neue Zürcher Zeitung
Die wilden College-Studentinnen und die blinden Hände des Masseurs

USA - Prüderie und Meinungsäusserungsfreiheit

US-Amerikaner pflegen ein völlig anderes Verhältnis zum nackten Körper als Europäer. Ihre Moralvorstellungen werden von ihrem puritanischen Erbe bestimmt. Dem stehen eine grosszügige Auffassung von individueller Freiheit und das für die Gesellschaft elementare Recht auf freie Meinungsäusserung gegenüber.

Von Thérèse Balduzzi, Journalistin, New York

Als Janet Jackson Anfang Februar während ihrer «Super Bowl»-Aufführung mit einer überraschend entblössten Brust einen Skandal auslöste, lachte die halbe Welt über die prüden Amerikaner. In den USA zog der Vorfall jedoch ernsthafte Folgen nach sich. Nicht nur wurde der Network-Sender CBS, der die Football-Spiele und Jacksons Halbzeit-Auftritt übertragen hatte, von der Federal Communications Commission (FCC) gebüsst, er beschloss, auch die nächste grosse Live-Übertragung, die Grammy Awards, mit einer fünfminütigen Verzögerung auszustrahlen. Bald griff die Selbstzensur um sich: Die Fernsehstation ABC sendete die Oscar-Verleihung mit fünf Sekunden Verzögerung, und der dritte grosse Network-Sender Amerikas, NBC, schnitt eine Szene aus der Serie «E.R.» («Emergency Room») heraus, die einen flüchtigen Blick auf die Brust einer achtzigjährigen Herzpatientin erlaubt hätte.

Patient im Kimono

Es ist anzunehmen, dass die Empörung um Jacksons entblösste Brust zumindest teilweise politisch motiviert war. Die Kongressabgeordneten, die sofort zu einem Hearing aufriefen, ergriffen die Gelegenheit, ihre konservativen Wähler für die kommenden Wahlen in Stimmung zu bringen. Zudem beflügelte die erfolgreiche Einschüchterung die FCC dazu, einen Monat später ihre Bussen massiv zu erhöhen. Auch wirkten die Klagen einiger Eltern, ihr Familiennachmittag sei durch die plötzlich in die Intimität des Wohnzimmers hereinbrechende Nacktheit empfindlich gestört worden, unglaubwürdig. Diese Stimmen sind eher in demselben Lager anzusiedeln wie die, die nach der Veröffentlichung der Fotos, die die Folterungen im irakischen Gefängnis Abu Ghraib zeigten, den Musiksender MTV für die Folterungen selber verantwortlich machten . . .

Trotzdem zeigt sich im Alltag, dass die Nordamerikaner ein völlig anderes Verhältnis zum Körper und zu dessen Entblössung haben als die Europäer. Beim Arztbesuch wechselt der Patient vom Strassenkleid in einen Kimono aus Stoff oder Papier, den der Arzt nur gerade an der Körperstelle wegschiebt, die er untersuchen will. Am Arbeitsplatz sorgen «Dresscodes» einerseits für eine gewisse Formalität, sprechen aber auch Bände über die amerikanische Sicht des Körpers. Körperhaare erinnern an das Animalische im Menschen und sind deshalb zu entfernen oder zuzudecken. Frauen rasieren ihre Beine und Achselhöhlen und tragen zur Arbeit stets Strümpfe und mindestens kurze Ärmel. Männer tragen zum Anzug lange Socken, damit kein Stück behaartes Männerbein zum Vorschein kommt, wenn sie die Beine übereinander schlagen. In der Freizeit zeigen Männer in Shorts zwar ihre Beine, tragen dazu aber T-Shirts mit kurzen Ärmeln, keine ärmellosen. Für Frauen ist der BH in allen erdenklichen Lebenslagen unerlässlich, auch im ungezwungensten Rahmen und selbst, wenn er unschön unter dem Sommerkleid hervorschaut.
Männer würden Kontrolle verlieren

Stillen in der Öffentlichkeit ist zwar legal, wird aber selten freizügig praktiziert. Die meisten Frauen stillen ihre Babys ebenso umständlich wie verschämt unter einem Tuch. «Amerikaner unterscheiden nicht zwischen der sexuellen Brust und der mütterlichen Brust», sagt Valerie Steele, Kulturhistorikerin und Chefkuratorin am Fashion Institute of Technology in New York, zur amerikanischen Obsession mit der Brust. Obwohl das Gesetz in manchen Staaten zwischen sexueller und funktionaler Nacktheit unterscheidet und etwa das Sonnenbaden «oben ohne» erlaubt, ist die Praxis nicht verbreitet. «Es wird angenommen, dass Männer in der Präsenz einer nackten Brust ihre Kontrolle verlieren. Sogar beim Sonnenbaden und Stillen», sagt Marilyn Yalom, Autorin des Buches «A History of the Breast».

Aus europäischer Sicht fällt auf, dass der Brustwarze noch eine weitere, separate Stufe der - je nach Kontext - Ergötzung oder Empörung zukommt. In vielen Staaten wird etwa beim Striptease verlangt, die Brustwarzen mit «pasties» zuzudecken. Diese Hierarchie des Anstössigen bewirkt mitunter absurde Szenen: So werden in gewissen Fernsehbeiträgen zwar Brüste gezeigt, aber mit wegretuschierten Brustwarzen, was ihnen ein ausserirdisches Flair verleiht. Sogar in einem Nachrichtenbeitrag über Brustkrebs wird die Brust nur verschwommen gezeigt. Schlimmer als die entblösste Brustwarze ist in Amerika nur noch der Anblick der männlichen Genitalien.

Kulturkriege

Die für europäische Begriffe extreme Prüderie der Amerikaner lässt sich aus der Geschichte verstehen. Wie Jean Baudrillard in seinem sonst etwas gar mit Klischees beladenen Buch «Amerika» überzeugend erklärt, konnten sich die utopischen und moralischen Perspektiven des 18. Jahrhunderts und die der puritanischen Sekten des 17. Jahrhunderts im amerikanischen Exil besser erhalten als in Europa, wo sie vor allem während des 19. Jahrhunderts durch die politische Ideologie «zugunsten einer objektiven Konzeption historischer Veränderung» ersetzt wurden.

«In mancher Weise sind die USA einem konservativen Land des Nahen Ostens wie Iran ähnlicher als Nordeuropa», sagt Steele. «Amerika ist ein sehr religiöses Land. Die meisten Amerikaner glauben an Gott und an Engel und sind sehr konservativ, was Sexualität und die Entblössung des Körpers angeht.» Gleichzeitig schwirren Werbespots für die «Girls gone wild»-Videos über den Bildschirm, in denen College-Studentinnen während des jährlichen «spring break» am Strand in Florida ihre T-Shirts heben, um ihre Brüste zur Schau zu stellen. In Amerika existiert ein hoher Grad an individueller Freiheit, der es erlaubt, solche Videos zu produzieren und zu verkaufen. Und nicht nur das: Schliesslich sind die USA auch die Geburtsstätte von Elvis Presley, der Beatniks und Hippies, der Antibabypille, des Kinsey-Reports und der Schwulenbewegung. Nicht erst seit den 1950er Jahren, sondern bereits im 19. Jahrhundert gab es in Amerika Kommunen, die die freie Liebe und die Abschaffung der Ehe propagierten.

Das Recht auf freie Meinungsäusserung, das im «First Amendment» der amerikanischen Verfassung verankert ist, ist den Amerikanern ebenso heilig wie die puritanischen Ideale. Es ermöglicht, dass sich Gruppen wie die Schwulenszene emanzipieren und auf die Massenkultur Einfluss nehmen können, wie in den homoerotischen Calvin- Klein-Anzeigen der 1980er Jahre oder in der Nachtklubszene des gleichen Jahrzehnts. «Solche Erscheinungen koexistieren mit der breiteren Gesellschaft, die diesbezüglich aber sehr ambivalent bleibt», sagt Steele. Daher die sogenannten «culture wars», in denen konservative Gruppen einmal Janet Jacksons Auftritt, ein anderes Mal eine Ausstellung von Robert Mapplethorpes Fotos nackter Männer oder die Performancekünstlerin Karen Finley, die sich nackt mit Schokolade beschmiert, mehr oder weniger erfolgreich bekämpfen. So kann eine Mapplethorpe-Ausstellung am einen Ort mit viel Aufsehen geschlossen werden - oft mit dem Argument, dass dafür ja Steuergelder verwendet würden -, die gleiche Ausstellung aber in einer privaten Galerie oder in einem privat finanzierten Museum problemlos gezeigt werden. Und auf den gebührenpflichtigen Kabelsendern dürfen durchaus Sexfilme gezeigt werden.

China - Nacktheit als soziales Stigma

China kennt nicht denselben freien Umgang mit dem Körper wie das benachbarte Japan. Man schätzt in China Naturerscheinungen, wenn sie den ästhetischen Massstäben der Kunst entsprechen. Beim Umgang mit der Nacktheit sind in China eine neue Freizügigkeit und westliche Einflüsse trotzdem nicht zu übersehen.

Von Urs Schoettli, NZZ-Korrespondent in Peking

Um die traditionelle Zurückhaltung Chinas im Umgang mit der Körperlichkeit zu erkennen, genügt es, die Malerei und Bildhauerei in Chinas Museen oder die Fotografien aus der Ch'ing- Dynastie, Chinas letzter Dynastie, zu konsultieren. Die Fotos aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert zeigen Frauen in Gewändern, die keine offenkundige erotische Wirkung anstrebten. Biografien von chinesischen Warlords entnimmt man, dass die gebundenen Füsse der Frauen als sexuelles Stimulans betrachtet wurden. Ohne dass Frauen sich verschleiern mussten, sah die Gesellschaft die Erotik als etwas extrem Privates, das nicht einmal verhaltene Signale wie etwa die Betonung der Hüften beim indischen Sari oder den freigelegten Nacken beim japanischen Kimono duldete. Beim nackten männlichen Körper fällt einem in China nicht die Statue eines stolzen David, sondern die geschundene Figur eines zum Zugtier degradierten Kulis ein.

Maos Versuch einer totalen Umkrempelung nicht nur der chinesischen Gesellschaft, sondern auch der chinesischen Zivilisation führte mit dem blauen Einheitstenue nicht nur die Verhüllung des menschlichen Körpers, sondern auch die Gleichschaltung der Geschlechter auf einen Höhepunkt. Der Hosenanzug, der auch für Frauen de rigueur war, war indessen nicht nur eine Reaktion auf die Verwestlichung im Sündenbabel Schanghai. Er war eine Fortführung der züchtigen Kleidung, die für Frauen lange vor der kommunistischen Revolution Pflicht war. Der Cheongsam, der die weibliche Figur voll zur Geltung bringt und aufreizende Blicke auf die Beine seiner Trägerin erlaubt, wird seit der rasanten Modernisierung Chinas nicht mehr nur in exklusiven Klubs und Restaurants getragen. Auch bei einfacheren Familienrestaurants locken attraktive junge Mädchen im Cheongsam bei der Eingangstür die Kunden an. Mao dürfte sich in seinem Mausoleum umdrehen, wenn er, der als Frauenheld mit herkulischem Appetit bekannt war, wüsste, was sich heute an heissen Sommertagen auf den Boulevards nicht nur in den Metropolen, sondern auch in Provinzstädten alles so tummelt.
Tabuzonen ausreizen

Der schlichte Alltag würde den Heroen des Langen Marsches Anlass geben, sich über die Verdorbenheit der heutigen Jugend zu ereifern. Da liegen Bücher von Autoren im Alter von Teenagern auf, die in der Schilderung von sexuellen Eskapaden überhaupt nichts der Phantasie überlassen. In Chengdu, der Kapitale der Provinz Sichuan, sieht man in einem ehrwürdigen buddhistischen Tempel zwei Mädchen in Hotpants, die sich mit Räucherstäbchen vor dem Heiligtum verneigen. In Xian, der Hauptstadt der benachbarten Provinz Shaanxi, liegen im grössten Buchgeschäft auf der Etage, wo die ambitionierte Jugend sich mit Lehrmitteln eindeckt, importierte Zeitschriften mit Titelbildern von nackten weissen Frauen in allen Posen auf.

Die von Deng Xiaoping Ende der siebziger Jahre angestossenen Wirtschaftsreformen haben auch weitreichende soziale Veränderungen ausgelöst, wie der Patriarch bei seinem epochalen Unternehmen, China zu öffnen und in die Moderne zu bringen, sehr wohl wusste. Die Chinesen haben zwar noch nicht die politischen Freiheiten, sie besitzen jedoch beim Konsum die gleiche Bandbreite an Auswahl, die man in den westlichen Industriestaaten gewohnt ist. Natürlich muss sich dies bei bei einer so individualistisch veranlagten Bevölkerung auch in der Kleidung niederschlagen. Von dort ist es nur ein kleiner Schritt zur Werbung, die auch in China sich der Attraktivität weiblicher Körper und erotischer Anspielungen bedient. Kritik an allzu grosser Freizügigkeit bekommt man zu hören, doch zurzeit scheinen diejenigen, welche die Schwelle zum Tabubruch ausreizen, Oberhand zu haben. Im letzten Winter fand in Pekings populärster Fussgängerzone eine Ausstellung moderner Kunst statt. Was die Passanten zu sehen bekamen, hätte wohl kaum die Gnade der Stadtzürcher Behörden gefunden. So sah man in der Kapitale zu Besuch weilende Provinzler vor Statuen, die nichts der Phantasie überliessen, für das Familienalbum posieren.

An Chinas Stränden sieht man nicht wie in Indien Frauen, die in voller Gewandung in die Wellen steigen. Doch sich im Bikini in der Sonne räkeln gilt auch nicht als das Freizeitideal einer mode- und standesbewussten Chinesin. Spa und Schönheitssalon sind die Ziele der chinesischen Eva, so sie über das dafür nötige Kleingeld verfügt. Früher war die helle Haut ein Privileg einer kleinen Oberschicht, und der von der Sonne braun gebrannte Körper galt als Zeichen von Armut und Rückständigkeit. Heute können sich bereits Schulmädchen in den Shoppingmalls Weissmachercrèmes leisten, die, so die Werbung, garantieren, dass man sich die pfirsichfarbene Haut, die in der Vergangenheit das Privileg der Luxuskurtisanen war, verschaffen kann.

Es wäre falsch, aus dem sozialen Stigma der Nacktheit auf eine generelle Körperfeindlichkeit der Chinesen zu schliessen. Es gibt wohl kaum eine Zivilisation, die es mit der chinesischen bei der Kenntnis der letzten Details der sinnlichen Qualitäten des Körpers aufnehmen könnte. Niemand weiss so gut wie die Chinesen, an welchen Stellen des Körpers Druck, Reibung und Nadelstiche ein Maximum an Wohlbefinden zu erzeugen vermögen. Die Vielfalt der Körpermassagen, die in China erhältlich sind, ist unermesslich. Am besten ist es, wie eine langjährige Bekannte aus der Schanghaier Oberschicht einem erklärt, wenn der Masseur blind ist. Sicher sind die Hände des Blinden von solcher Delikatesse, dass sie eine einzigartige sinnliche Erfahrung zu vermitteln vermögen. Doch die Blindheit des Masseurs sorgt auch für eine unüberwindliche Distanz, die für die Aufrechterhaltung der Privatsphäre sorgt.
Leibliche Fülle

Die nackten Kulis, die an den Haarnadelkurven des Jangtse die Schiffe hochzogen, trifft man heute in Chongqings verwinkelten Strassen nicht mehr. Doch Männer mit nacktem Oberkörper arbeiten weiterhin auf Baustellen und tragen noch immer schwere Lasten die steilen Strassen auf und ab. Anderseits ist beim männlichen Geschlecht der Bauch auch ein Aktivum. Während die Schanghai-Girls den Körper nicht dünn genug haben mögen, klopft sich der Händler mit Wohlbehagen auf das mächtige Rund, das sich über dem Gürtel und unter dem hochgestülpten Unterhemd präsentiert. Im Gegensatz zum Arbeiter, der mit entblösstem Oberkörper seinen Verrichtungen nachkommt, empfindet er über seine partielle Nacktheit keine Scham. Leibliche Fülle ist in einem Land, das immer wieder von Hungersnöten heimgesucht worden ist, durchaus ein erstrebenswertes Zeichen von Hablichkeit. Nicht ohne Grund wird mit wachsendem Wohlstand die Vollleibigkeit auch in China zu einem Gesundheitsproblem. Derweil spriessen auch in den chinesischen Provinzstädten die Fitnesscenter, wo man sich den Babyspeck abstrampeln kann, wie Pilze nach einem warmen Regen aus dem Boden. Viel hat das Streben, es dem Westen bei der Skyline gleichzutun, am Antlitz der chinesischen Städte verändert - meist nicht zu deren Vorteil. Noch fraglich ist, ob der gleiche Hang zur Nachahmung auch beim Styling des idealen Körpers von Herrn und Frau Zhang Platz greifen wird.

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14. August 2004, 02:27, Neue Zürcher Zeitung
Demo der Nackten

Das Motiv des Anlasses war eine Demonstration gegen den (zu) dichten Autoverkehr in der Londoner Innenstadt. Am 12. Juni fuhren gegen 50 Velofahrer rund um den Hyde Park in Englands Hauptstadt, eine Velo-Demo, wie sie auch in anderen Städten immer wieder durchgeführt wird - nichts Besonderes also. Doch an jenem Junitag sassen die Freunde des zweirädrigen Vehikels nackt auf ihren Sätteln, lediglich Schuhe, Socken, Hut und - wer darauf angewiesen war - Brille trugen die Demonstranten. Polizisten begleiteten sie auf Fahrrädern, allerdings ordentlich uniformiert. Die Nacktfahrer wurden geduldet, sie durften ihre Aktion unbehelligt durchführen.

Das erstaunte dann doch. Denn ein Jahr zuvor wurden Nudisten, die ihr Picknick im Hyde Park im Adamskostüm genossen hatten, dazu gezwungen, ihre Tafel abzubrechen. Dieses Jahr aber achtete der diensttuende Polizei-Sergeant Tony Wright lediglich darauf, ob sich Passanten ob der Nacktradler in ihrem sittlichen Empfinden gestört fühlten. Doch diese schauten dem Treiben nur verwundert zu.

Beobachter erkennen im zunehmend lockereren Umgang mit der Nacktheit eine Abwendung Englands von den puritanischen USA hin zu den freizügigeren europäischen Staaten. Lediglich an wenigen Orten in England werden Nudisten noch vom Gesetzeshüter verfolgt, etwa an den schönen Stränden von Yorkshire. Sonst gilt der gesunde Menschenverstand: Solange sich niemand durch die Nackten behelligt fühlt, lässt man sie gewähren.

Ganz anders sieht die Lage auf der anderen Seite des Atlantiks aus. In New York wagten sich aus Furcht vor den Polizisten die Demonstranten nicht nackt auf ihre Räder, und in Chicago gewärtigen diejenigen, die gewisse Körperteile entblösst zeigen, eine Busse von 500 Dollar.

Im Gegensatz zu den eher prüden USA - deren Prüderie allerdings voller Widersprüche steckt - wird im nördlichen Europa der nackte Körper von der Sexualität klarer getrennt. Wenn heutzutage nackte Studentinnen und Studenten durch Berlin rennen, um gegen Budgetkürzungen in der Bildung zu demonstrieren, oder wenn sich Erwachsene ohne Badehose und Bikini an einem See sonnen, fühlt sich kaum jemand mehr in seiner Sexualmoral verletzt. Vielleicht lächelt man ein wenig, vielleicht zeigt man sich aber auch beeindruckt ob der Unbefangenheit und des Mutes, sich trotz offensichtlichen äusserlichen «Mängeln» nackt zu zeigen in einer Gesellschaft, in der so viele dem schönen und perfekten Körper huldigen.

hof.




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